Wissenschaftliches Schreiben und Zitieren

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Wer eine Abschlussarbeit schreibt, während des Studiums eine Hausarbeit anfertigt oder sich generell dafür interessiert, wissenschaftlich präzise und korrekt zu arbeiten, steht früher oder später vor der Frage, wie der Umgang mit Literatur, mit den richtigen Referenzen und dem korrekten Zitieren von Texten am besten gelingt. Gerade im Studium ist dies eine wichtige Kompetenz, die erworben werden soll – entsprechend gibt es an Universitäten immer wieder Angebote, um genau das zu lernen.

Als Teil eines Hauptseminars an der TU Dresden habe ich regelmäßig einen kleinen Input-Vortrag gehalten, in dem es darum ging, wie man mit Literatur im wissenschaftlichen Kontext am besten umgeht: wie man sie ablegt, wie man sie zitiert und Ähnliches. Durch Corona wechselten viele Lehrveranstaltungen in einen hybriden oder rein digitalen Modus, sodass es sich anbot, auch diese Inhalte zu digitalisieren und aufzuzeichnen. So habe ich diesen Input-Vortrag zum wissenschaftlichen Schreiben und Zitieren einmal aufgenommen und den Studierenden online zur Verfügung gestellt. Nun dachte ich mir, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, das Material von damals auch frei zugänglich online bereitzustellen – und veröffentliche diesen kleinen Videokurs daher heute hier.

Der Videokurs dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Begleitend biete ich eine sinngemäße Transkription des Vortrags an, die sich auch als Handout eignet. Im Folgenden finden sich also die Videos sowie die dazugehörigen Transkriptionen. Die Transkriptionen haben zudem den Vorteil, dass ich diesen Artikel und die Videos auch in der englischen Version meines Blogs bereitstellen kann. Die Videos selbst wurden zwar nicht übersetzt, die Transkriptionen jedoch schon.

Viel Freude beim Anhören, Ansehen und Lesen!

Hinweis: Die folgende Abschrift ist eine sprachlich geglättete Fassung des Videovortrags. Sie gibt den Inhalt sinngemäß und vollständig wieder, verzichtet aber auf mündliche Füllwörter, Wiederholungen und Versprecher zugunsten der Lesbarkeit.

Einführung

In diesem Vortrag zum Thema „Wissenschaftliches Schreiben und Zitieren“ betrachten wir einige zentrale Aspekte des wissenschaftlichen Schreibens – etwa beim Verfassen von Papern oder Abschlussarbeiten – und gehen insbesondere darauf ein, wie mit Quellen umgegangen wird und wie diese sauber zitiert werden.

Der Vortrag gliedert sich in fünf Kapitel, in denen wir vier Themenbereiche behandeln:

  1. Wie man Literatur vernünftig zusammenträgt und organisiert.
  2. Wie man Quellen – insbesondere Texte – korrekt verwendet und zitiert.
  3. Wie Bilder zitiert und in eigenen Arbeiten verwendet werden können.
  4. Wie man den Schreibprozess sinnvoll organisiert und Schreibblockaden vorbeugt.

Literatur organisieren

In diesem Abschnitt geht es darum, wie man Material findet, ablegt und Notizen organisiert.

Material finden

Zunächst sollte klar sein, was das Ziel der Recherche ist: Man möchte zur eigenen Fragestellung passende Informationen finden – idealerweise die ursprüngliche Quelle einer Information, die sogenannte Primärliteratur.

Um sich einen Überblick über einen Themenkomplex zu verschaffen, ist es hilfreich, sich zunächst Übersichtsarbeiten (Survey-Paper) anzusehen. Diese sind jedoch in der Regel keine Primärliteratur, sondern verweisen ihrerseits auf zahlreiche Primärquellen. Liest man interessante Informationen in einem Übersichtspaper, muss man die dort zitierten Arbeiten nachverfolgen, um den Ursprung der Information – die Primärliteratur – zu finden.

Zum Finden von Literatur bieten sich verschiedene Wege an:

  • Suchmaschinen wie Bibliothekskataloge (z. B. der SLUB), Google Scholar oder Verlagsportale (z. B. ACM) mit passenden Schlagworten durchsuchen.
  • Gezielt vorgehen, indem man einschlägige Fachtagungen oder Journals im jeweiligen Forschungsbereich identifiziert und deren regelmäßige Publikationen sichtet.
  • Zitationsketten verfolgen: Bei einem ergiebigen Paper lohnt sich ein Blick in dessen Literaturverzeichnis, um zu sehen, auf welche Quellen sich andere Forschende beziehen, und diese weiterzuverfolgen.
  • Suchagenten einrichten: Bei umfangreicheren Arbeiten (Promotion, Master-, Diplomarbeit) empfiehlt es sich, bei einschlägigen Suchmaschinen einen Suchagenten für bestimmte Schlagworte einzurichten, der per E-Mail über neue Publikationen informiert.

Material organisieren

Alle notierten Informationen – sowohl aus der Literatur entnommene als auch eigene Forschungsergebnisse und Gedanken – müssen nachvollziehbar dokumentiert und sauber voneinander getrennt werden: Handelt es sich um recherchierte Informationen, die eine Quellenangabe benötigen, oder um eigene Ergebnisse? Auch bei eigenen Ergebnissen sollte nachvollziehbar sein, wie man zu ihnen gekommen ist.

Für die Ablage empfiehlt sich statt eines simplen PDF-Ordners ein professionelles Literaturverwaltungstool. Bekannte Vertreter sind:

  • Citavi und EndNote (kommerziell)
  • Mendeley (Elsevier, kostenfrei) und Zotero (Open Source, u. a. als Firefox-Plug-in)

Diese Tools bieten mehrere Vorteile:

  • Literatur lässt sich mit allen bibliografischen Informationen sauber in einer Datenbank ablegen und strukturieren.
  • Sie bieten in der Regel gute Integrationen mit Word, anderen Textverarbeitungsprogrammen oder LaTeX, was einen effizienten Schreibprozess ermöglicht – vom Zitieren bis zur automatischen Generierung des Literaturverzeichnisses.
  • Literatur lässt sich in Sammlungen bzw. Ordnern organisieren; ein Dokument kann dabei mehreren Sammlungen zugeordnet sein (ähnlich wie verschachtelte Schlagworte/Tags). So lässt sich für jedes Schreibprojekt eine eigene Sammlung anlegen und trotzdem auf bereits gesichtete Literatur zurückgreifen.
  • Literatur kann themenspezifisch sortiert und dadurch schneller wiedergefunden werden.

Literatur zitieren

Nachdem Literatur und eigene Gedanken sauber strukturiert sind, stellt sich die Frage, wie man diese Informationen korrekt verwendet – also zitiert. Im Folgenden einige Grundsätze für einen guten Zitierstil.

Kennzeichnungspflicht

Alle Informationen, die nicht der eigene Beitrag sind, müssen als Übernahme gekennzeichnet werden – sowohl wörtliche als auch sinngemäße Textübernahmen. Wörtliche Zitate werden durch Anführungszeichen kenntlich gemacht; bei sinngemäßen Übernahmen muss unmittelbar danach durch ein Zitationskürzel deutlich werden, dass die Information von woanders stammt. Diese Kennzeichnungspflicht gilt nicht nur für Texte, sondern auch für Bilder, Tabellen und Informationsvisualisierungen.

Umgang mit Bildmaterial

  • Bei Bildmaterial ist stets die Quelle zu nennen.
  • Das Urheberrecht ist zu beachten; gegebenenfalls muss vorab die Genehmigung des Urhebers eingeholt werden.
  • Auch Bildausschnitte müssen als Übernahme gekennzeichnet werden. Der Bildkontext darf beim Zuschnitt nicht verändert werden.
  • Wird ein übernommenes Bild bearbeitet, müssen die vorgenommenen Änderungen angegeben werden.
  • Bei Bildmaterial aus Archiven sind Bestand und Fundort mit anzugeben.
  • Es lohnt sich, die Vorgaben des jeweiligen Verlags zur Bildverwendung zu prüfen (z. B. Angabe von Aufnahmegerät oder -methode, etwa in den Naturwissenschaften bei Mikroskopaufnahmen).

Umgang mit eigenen Texten (Eigenplagiat)

Bereits veröffentlichter eigener Text muss bei Wiederverwendung ebenfalls zitiert werden – auch bei sinngemäßer Übernahme. Andernfalls handelt es sich um ein Eigenplagiat.

Sparsamkeit beim Zitieren

  • Nur so viel wie nötig, so wenig wie möglich zitieren.
  • Nur den tatsächlich relevanten Teil zitieren – der Umfang der Übernahme soll möglichst gering sein.
  • Wörtliche Zitate sind eher zu vermeiden und nur dort einzusetzen, wo es wirklich notwendig ist; ansonsten in eigenen Worten wiedergeben und als sinngemäßes Zitat kennzeichnen.

Konsistenz

Bei wörtlichen Zitaten muss der Text buchstaben- bzw. zeichengetreu wiedergegeben werden – auch enthaltene Schreibfehler oder heute unübliche Schreibweisen. Eigene Anmerkungen oder Änderungen (z. B. zur besseren Lesbarkeit) werden in eckigen Klammern ergänzt. Auslassungen werden durch eckige Klammern mit drei Punkten „[…]“ gekennzeichnet.

Unmittelbarkeit

Für sauberes wissenschaftliches Arbeiten ist stets der Ursprung einer Information – die Primärliteratur – heranzuziehen, nicht das Übersichtspaper, in dem man sie gefunden hat. Ist die Primärliteratur schwer zugänglich (z. B. weil sie sehr alt und selten in Bibliotheksbeständen vorhanden ist), kann ausnahmsweise mit dem Zusatz „zitiert in“ gearbeitet werden: Man nennt zunächst die Primärquelle und anschließend die Sekundärquelle, aus der die Information tatsächlich entnommen wurde. Dies sollte jedoch die Ausnahme bleiben – gute wissenschaftliche Praxis verlangt grundsätzlich die Angabe der Primärliteratur.

Zweckmäßigkeit

Es muss erkennbar sein, wofür ein Zitat steht und warum es an dieser Stelle relevant ist. Die Zitation sollte so geschickt in den eigenen Text eingebunden werden, dass der Lesefluss nicht beeinträchtigt wird – etwa durch kleine, in eckigen Klammern gekennzeichnete grammatikalische Anpassungen bei wörtlichen Zitaten. Sinngemäße Übernahmen benötigen einen erkennbaren Bezug zur eigenen Argumentation, damit der rote Faden gewahrt bleibt.

Umgang mit Übersetzungen

  • Bei wörtlichen Zitaten sollte keine Übersetzung angeboten werden – wird ein Text übersetzt, handelt es sich nicht mehr um ein wörtliches, sondern um ein sinngemäßes Zitat, das entsprechend zu kennzeichnen ist. Wörtliche Zitate werden stets in der Originalsprache und in Anführungszeichen wiedergegeben.
  • Da das Fachpublikum wissenschaftlicher Arbeiten in der Regel der englischen Sprache mächtig ist, ist bei englischsprachiger Literatur keine deutsche Übersetzung erforderlich.
  • Verfasst man die eigene Arbeit in britischem oder amerikanischem Englisch, sollte man sich für eine Variante entscheiden und diese konsequent beibehalten. Wörtliche Zitate aus Quellen der jeweils anderen Variante werden nicht angepasst, sondern im Original übernommen.

Umgang mit Plagiaten

Nach der Definition der Hochschulrektorenkonferenz handelt es sich bei einem Plagiat um „die Übernahme von Texten, Ideen oder Daten anderer ohne eine eindeutige Kenntlichmachung des Urhebers“. Eine Checkliste zur Vermeidung von Plagiaten:

  1. Wurde das richtige Referenzsystem verwendet?
  2. Wurde der vorgegebene Referenzstil konsistent verwendet?
  3. Wurden genügend Beispiele/Belege zur Stützung der eigenen Argumente angeführt?
  4. Sind eigene Ideen klar dargestellt und deutlich von fremden getrennt?
  5. Wurden alle fremden Ideen gekennzeichnet?
  6. Wurden wörtliche Zitate in Anführungszeichen gesetzt?

Zitate kennzeichnen

Je nach Fachdisziplin kommen unterschiedliche Zitierstile zum Einsatz.

Zitierstile im Überblick

  • Numerisches Referenzsystem (z. B. IEEE, Vancouver): verbreitet in den Lebens- und Naturwissenschaften. Die Einträge im Literaturverzeichnis werden durchnummeriert; im Fließtext verweist eine Zahl in eckigen Klammern auf den jeweiligen Eintrag. Das Literaturverzeichnis ist nach der Reihenfolge des ersten Auftretens sortiert.
  • Autor-Datum-System (z. B. APA, Harvard, Oxford): Die Referenz erfolgt über Autorname(n) und Erscheinungsjahr, z. B. „(Goethe 1854)“. Das Literaturverzeichnis wird alphabetisch nach Autorennamen sortiert.
  • Fußnotenverweise: primär in Literatur-, Kunst- und Geisteswissenschaften üblich, wobei die Quellenangabe direkt als Fußnote auf der Seite erfolgt statt im Literaturverzeichnis.

Zitationskürzel in der Informatik

In der Informatik – insbesondere bei Abschlussarbeiten – ist ein Kürzelformat verbreitet: eckige Klammern mit den Anfangsbuchstaben der Autorennachnamen sowie der zweistelligen Jahreszahl, z. B. [Gol17].

  • Ein Autor: die ersten drei Buchstaben des Nachnamens, z. B. [Gol17].
  • Zwei bis drei/vier Autoren: Anfangsbuchstaben der jeweiligen Nachnamen, z. B. [GSV17].
  • Mehr Autoren: die ersten drei Autoren mit einem Pluszeichen, z. B. [GSV+17].
  • Mehrere Publikationen desselben Kürzels im selben Jahr: Unterscheidung durch angehängte Kleinbuchstaben, z. B. [Gol17a], [Gol17b].

In LaTeX lässt sich dieser Zitierstil über die Option „alpha“ beim Zitationsstil erzeugen.

Platzierung des Zitationskürzels

  • Bei einem wörtlichen Zitat steht das Kürzel unmittelbar dahinter.
  • Bezieht sich die Übernahme nur auf einen kleinen Aspekt innerhalb eines Satzes (z. B. eine Zahl), steht das Kürzel unmittelbar hinter dieser Information.
  • Bezieht sich die Übernahme auf den gesamten Satz, steht das Kürzel am Satzende – vor dem Satzschlusszeichen.
  • Bezieht sich die Übernahme auf einen gesamten Absatz, kann das Kürzel an das Ende des Absatzes gesetzt werden (nach dem letzten Punkt). Eleganter ist es jedoch, das Kürzel bereits einleitend in den Text einzubinden, z. B.: „Wie Schmidt et al. [SW12] darlegen, sind folgende drei Aspekte wichtig: …“ Dadurch wird der Geltungsbereich des Zitats implizit deutlich.

Wichtig: Zitationskürzel werden nie „mitgelesen“ oder als Wort ausgesprochen – sie funktionieren wie eine hochgestellte Fußnotenziffer. Im Text wird der Autorname explizit genannt (z. B. „wie Schmidt ausführt [Sch12]“), das Kürzel dient nur als Querverweis ins Literaturverzeichnis.

Literaturverzeichnis

Aufbau

Das Literaturverzeichnis enthält ausschließlich die in der Arbeit tatsächlich zitierten Quellen – nicht mehr und nicht weniger. Zu jedem Zitationskürzel im Text muss es einen entsprechenden Eintrag geben; dies stellt die Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit der Arbeit sicher.

Sortierung (in der Informatik üblich):

  1. Alphabetisch nach Autorennamen (bzw. Zitationskürzeln).
  2. Bei mehreren Quellen desselben Autors: nach Erscheinungsjahr (neueste zuerst), danach ggf. nach Titel.

Erforderliche Angaben je Medientyp

Allen Einträgen gemeinsam sind: Autor(en), Titel und Erscheinungsjahr. Je nach Medientyp kommen weitere Angaben hinzu:

  • Bücher: Autor, vollständiger Titel, Erscheinungsjahr, Verlag, ggf. Auflage, ggf. Erscheinungsort.
  • Konferenzartikel: Autor, Artikeltitel, Erscheinungsjahr, Name und Ort der Konferenz, ggf. Seitenzahlen im Konferenzband.
  • Zeitschriftenartikel: Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Name der Zeitschrift, Jahrgang, ggf. Heftnummer, Seitenzahlen.
  • Beiträge in Sammelwerken: Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Herausgeber, Titel des Sammelwerks, ggf. Auflage, Verlag, Erscheinungsort, Seitenzahlen.
  • Dokumentationen/Standards: Statt Autor ggf. die herausgebende Institution, Titel, Veröffentlichungszeitpunkt; Adresse und Version sind optional.
  • Abschlussarbeiten: Autor, Titel, Jahr, Art der Arbeit (Bachelor-, Master-, Diplomarbeit, Dissertation), Institution, Ort.
  • Online-Quellen: Webadresse (bevorzugt eine permanente URL, sofern verfügbar), Autor, Titel, Veröffentlichungsdatum (falls vorhanden) sowie das Datum des Abrufs. Es empfiehlt sich, die Seite zusätzlich lokal zu archivieren, um den Stand zum Abrufzeitpunkt nachvollziehbar zu dokumentieren.

Hinweis: Websites sind häufig keine wissenschaftlichen Quellen im engeren Sinn, da ihre fachliche Qualität in der Regel nicht durch ein Begutachtungsverfahren (Peer Review) geprüft wird.

Umgang mit eigenen Ergebnissen

Insbesondere bei Abschlussarbeiten, die über reine Literaturrecherche hinausgehen, müssen auch eigene Ergebnisse nachvollziehbar dokumentiert und dauerhaft abgelegt werden. Dazu gehören:

  • Die verwendete Methodik/Vorgehensweise sowie Zwischenergebnisprotokolle.
  • Eine einheitliche, aussagekräftige Dateibenennung, z. B. nach dem Schema Projekt_Bezeichnung_Version_Datum.
  • Wo möglich, die Bereitstellung eigener Forschungsergebnisse in entsprechenden Datenbanken (in der Informatik eher unüblich).
  • Ein „Laborbuch“ (auch digital), in dem Arbeitsschritte, Beobachtungen, Gedanken und Probleme während der Arbeit protokolliert werden.

Schreiben

Die fünf Phasen des Schreibprozesses

  1. Ordnen und Strukturieren: Recherchematerial, Daten und eigene Notizen sinnvoll strukturieren und auffindbar machen.
  2. Gliedern und skizzieren: einen roten Faden entwickeln, eine erste Arbeitsgliederung erstellen und den Gedankengang in Stichpunkten skizzieren.
  3. Schreiben: eine erste Textfassung formulieren, wobei diese noch nicht perfekt sein muss.
  4. Überarbeiten: inhaltliche und sprachliche Überarbeitung – roter Faden, Grammatik, Stil, Detailgrad; ggf. Anpassung der Gliederung.
  5. Redigieren: formale Anpassungen wie Layout, Abstände und Formatierung.
  6. Nicht jeder Schreibtyp arbeitet diese Phasen streng in dieser Reihenfolge ab – manche entwickeln die Gliederung eher aus dem laufenden Schreibprozess heraus. Dennoch treten alle fünf Phasen in jedem Schreibprozess auf.

Zeitplanung

Das Wissen um diese Phasen hilft, die komplexe Aufgabe „Schreiben“ in bewältigbare Etappen zu zerlegen und motivierende Meilensteine zu setzen. Für die Planung empfiehlt sich:

  • Grobe Arbeitsphasen definieren und deren Dauer (z. B. wochenweise) festlegen.
  • Etwa 30 % Pufferzeit einplanen – idealerweise nicht am Ende angehängt, sondern anteilig in jede einzelne Arbeitsphase eingerechnet.
  • Aus den Wochenplänen Tagespläne ableiten, wobei pro Tag höchstens etwa 4 Stunden konzentrierte Arbeitszeit eingeplant werden sollten.
  • Feste Routinen schaffen (z. B. regelmäßige Arbeitsblöcke vormittags/nachmittags), um Regelmäßigkeit und mentale Entlastung zu erreichen.

Struktur entwickeln – drei Schritte

  1. Freie Struktur: Zunächst überlegen, worüber geschrieben werden soll und wie der rote Faden aussehen könnte – z. B. mittels Brainstorming und einer Mindmap, in der der Oberbegriff zentral steht und Gedanken frei verästelt werden.
  2. Übliche Struktur einarbeiten: Wissenschaftliche Arbeiten folgen häufig einem ähnlichen Muster – Einleitung (Motivation, Relevanz), Grundlagen, Analyse und Konzept, Umsetzung/Beweis, Ergebnisse und Diskussion. Von diesem Muster kann abgewichen werden, wenn es der Charakter der Arbeit erfordert.
  3. Struktur überarbeiten: Aussagekräftige, einheitlich formulierte Überschriften wählen (statt „Grundlagen“ z. B. die konkret behandelten Begriffe benennen). Zu jedem Gliederungspunkt in Stichpunkten oder kurzem Fließtext festhalten, was inhaltlich hineingehört, und den geplanten Textumfang im Blick behalten (Einleitung und Schluss sollten nicht umfangreicher sein als der Hauptteil).

Strategien gegen Schreibblockaden

  1. Strukturhangeln: Ausgehend von der fixierten Gliederung zunächst Stichpunkte notieren und diese anschließend Stück für Stück zu vollständigen Sätzen ausformulieren.
  2. Freies Schreiben: Ohne Rücksicht auf Struktur oder sprachliche Perfektion einfach die Gedanken niederschreiben – die Überarbeitung erfolgt später.
  3. Medienwechsel: Statt am Computer auf Papier schreiben, da dieses mehr Freiraum bietet (Notizen quer, zwischen den Zeilen, freiere Visualisierung), was oft den gedanklichen Zugang erleichtert.
  4. Diktieren unterwegs: Da Gedanken oft bei Bewegung – etwa beim Spaziergang – entstehen, können sie per Diktierfunktion (Smartphone-App, Diktiergerät) aufgezeichnet und anschließend automatisiert transkribiert werden. Der entstehende Text ist meist noch umgangssprachlich und unperfekt, bietet aber eine wertvolle Grundlage für die Weiterarbeit.

Damit endet dieser Input-Vortrag zum wissenschaftlichen Schreiben und Zitieren.

David Gollasch

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